Der dritte Tag

Was sind schon drei Tage
Berlin? Nein, ich habe
den Rhythmus der Zeit längst
verloren. Oder denkst
Du noch manchmal, es wird
ein Mensch nur für Pläne
geboren? In mir klirrt
ein Traumscherbenhaufen,
ich bin völlig verwirrt.
Ich warte nicht auf einen

glücklichen Tag. Heute
ist einer! Ich scheute
mich nicht, Deine Brüste
zu küssen, nur wüßte
ich gern, wer es gehen‘n.
Wir fahren zum Alex
inzwischen und gehen
Geschäfte betrachten,
die wir einst verlachten.

Moskau, Du dürstende,
roh vergewaltigte,
lebst noch und spürst Hände,
kräftige, faltige.
Sie woll‘n Dich gestalten,
um und um. Du aber
hast uns geformt. Kalten
Wohlstand missen wir nicht,
jedoch wir verhalten
uns wie Käfer im Licht.

Hier wird noch die heile
Welt gestaltet. Eile
ins Glück ins eigene.
Und dieser geigende
Ton dazu. Die Unter-
brechung im Theater:
Bulgakow und darunter
Berliner Geschicke.
Der Meister tut Wunder
und schließt eine Lücke

in unserem Bilde
von dieser Stadt. Wilde
Gefühle. Einsamkeit
bröckelt. Längst wär es Zeit,
die Angst zu beenden,
daß Wahrheit Gefahr sei
wenn wir sie verschwenden.
Ich les Dir Gedanken-
splitter aus Deinen Händen,
die um mich nun ranken.

Bitter wär ohne Dich
jede Nacht. Schone mich
nicht, damit nicht einst sacht
unsre Kraft zur Ohnmacht
sich krümmt. Wir probieren
uns aus an unserer Haut,
öffnen uns, frieren
nur diesen Augenblick,
bis wir, sich verlierend
uns finden Stück um Stück.

Außer ordentlicher Einfall