Der Morgen dringt sanft ein. Nichts
übertönt seines Gesichts
erwachenden Blick. Woher
diese Lust? Kein roter Stoff
bedeckt Deine Scham, als wär
es längst Sommer. Kühl und schroff
schaut der Block gegenüber
zu uns herein und sonnt sich
im Meer der Stadt, die lieber
länger weilte im Fieber
der kürzeren Nächte, daß
auch uns so gut tut. Doch laß
ruhig das Fenster offen. Wen
stört`s? Unser Tag schwingt herein.
Schwebt, bis auch Deine Haut sehn-
süchtig entmüdet bis kein
Stück Stoff mehr die Glieder trennt,
einen Tanz singt und sich spannt.
Solch Morgen ist uns nicht fremd,
wir tun es ihm ungehemmt
gleich. Deine Brüste sind fest
und es knospen die Bäume
nicht allein vorm Haus. Säume
nicht Frühjahr! Sag, wohin läßt
du den Feiertag wachsen?
Und Du, Mädchen, kommt, steht auf.
Worauf warten? Ich mag`s wenn
ich mich in Städten verlauf.
Meist gehst Du duschen. Aber
heute wäschst Du Dir das Haar.
Der Tag nimmt uns unmerklich
auf. Die Stille erwehrt sich
jeder Hast und die Straßen
sind schon gereinigt vom Marsch.
Schneller als wir vergaßen
sie diesen Morgen. Die braven
alltagkampfmüden Füße
feiern nun zu Millionen
ihren Kampfalltag. Süße
Ruhe. Geordnet schonen
sie sich unter den Tischen.
Wir bewegen uns zwischen
den Ordnungslosen, denn die
dürfen erst jetzt über den
Roten Platz. Auch gut, denn wie
hätten wir wohl am Morgen
die Liebe zeigen sollen,
in Plakaten verborgen,
die sie nicht haben wollen?
Jetzt strahlt sie und uns folgen
Blicke bis hin zum Arbat:
Menschen und Stände wie Mohn –
man steht, solange sie blühn,
staunt, wie die Maler sich mühn,
feilscht um den Lohn für Portraits,
kauft Waffeln und lauscht mit Eis
mancher Gitarre, die kühn
Worte zu Tönen zerreißt.
Wir haben Durst, doch hier heißt‘s
anstehn. Es dunkelt bereits.
Der Abend schneidet aus den
Himmeln seine Schatten. Grau
ruht die Kirche. Drinn hausten
Menschenmaschinen. Mauern
sperren uns jeden Weg. Rost
sticht als Schornstein durch Kuppeln,
längst verloren ihr Glanz. Frost
gähnt aus den Fensterhöhlen.
Altbau kostet nichts. Rußig
trauern Bilder und du sprichst:
Ich schließe nicht die Augen,
wenn es dunkelt vor der Zeit,
rings um herrscht Zweck Mäßigkeit.
Laß Dich berühren. Taugen
wir für solchen Widerspruch?
Auch an uns ist ein Geruch
von Zerstörung. Unbewußt
tragen wir, was unsre Lust
zu Abfall macht. Allmächtiger
Herr? Oder Mensch? Oder Wer?
Die Nacht führt uns zu Freunden
und wartet leis vorm Haus. Hier
finden wir Brot und Wein, Dir
aber fallen die Augen
einfach nicht zu, sie saugen
die Worte aus uns heraus.
Spät erst kommt die Nacht herein.
Sie findet uns Haut an Haut
heiß wie der Mai und ich will
diesen Tag nach dem April.
