Sie hat früh begonnen, nach Liebe zu suchen,
so, wie man Erdbeeren sucht im Wald.
Sie nahm von den grünen, nahm von den reifen,
doch nie warn‘s genug für längeren Halt.
Bis daß sie dann eine Liebe sich fand,
die schmeckte so süß und unbekannt,
als wär sie aus Wohlstands eigenem Land.
Da sagte sie ja und schaffte sich an
zwei Kinder und Auto und einen Mann,
der konnte rechnen und dachte gescheid:
Das Leben ist eine Notwendigkeit
und die Liebe gehört zum Leben.
Ner wer geregelt lebt, der bringt es weit
und wozu sich unnütz erregen?
Die täglichen Pflichten waren nicht schwer,
die nächtlichen waren`s nicht mindern.
Der jährliche Urlaub am weiten Meer
war längst nicht mehr stürmisch und Kinder
warn zwei schon zuviel und im Winter
da träumte sie von der Erdbeerenzeit:
Das Leben ist eine Notwendigkeit
und die Liebe gehört zum Leben.
Vorm Einschlafen macht sie die Beine breit
und wartet auf Lust wie auf Regen.
Im nächsten Jahr dann hat sie begonnen,
nach Liebe zu suchen, erdbeerenrot.
Sie hat sich wochentags freigenommen,
stillte den Hunger, als äße sie Brot.
Im Ehebett liegt sie abend wie tot,
nur manchmal noch tut ihr der eing‘ne Mann leid:
Sein Leben ist eine Notwendigkeit
und die Ehe gehört zum Leben.
Ner wer geregelt lebt, der bringt es weit
und wozu sich in Liebe erregen?
