Um den Genus in der deutschen Sprache tobt ein Sprachkampf. Vielleicht kann dieser sehr einfach durch eine leichte Veränderung Begriffe beendet werden?
Es ist eigentlich ein Irrtum, dass der Artikel „der“ auf Männer und der Artikel „die“ auf Frauen verweisen würde. Tatsächlich ist es ganz anders. Unsere Sprache teilt die Dingworte nach ihren Fähigkeiten ein, nämlich in
– bestimmte oder geformte Dinge oder Wesen, denen der Artikel „der“ zugeordnet wird, z.B. der Mond (siehe auch Übersicht am Ende). Diese Dingworte kennzeichnen etwas bestimmtes, geschaffenes, fertig geformtes, abstraktes oder geschaffenes;
– bestimmende oder formende Dinge oder Wesen, denen der Artikel „die“ zugeordnet wird, z.B. die Erde. Diese Dingworte kennzeichnen etwas bestimmendes, formendes, schaffendes, lebendiges, wachsendes, sich öffnendes oder fruchtbares;
– unbestimmte Dingworte, wie das Weltall, die zu keiner der beiden vorstehenden Gruppen gehören. Diese Dingworte kennzeichnen etwas unbestimmtes, übergeordnetes, grösseres, weiteres oder allgemeines.
Die Wortherkunft von Genus und Sexus
Aus dem Latein stammen das Wort generate (erzeugen), gebräuchlich im Sinne von et genuit hominem (er zeugte den Menschen). Gemeint ist die Erschaffung von Wesen aus dem Wort, also aus Information. So bezeichnen wir den Träger der Erbinformation auch als Gen – die Botschaft, welche Leben erschafft.
Genus dagegen bezeichnet die Gattung, vom Verb gatten (ein Paar, eine Gemeinschaft oder eine Einheit bilden), und meint somit eine bestimmte Art, also Dinge oder Wesen, welchem man aufgrund gemeinsamer Merkmale gruppieren kann. Genus kann auch mit Rasse übersetzt werden. Das lateinische Genus kam über das französische genre dann im Englischen als Gender an.
Sexus steht im Latein für Geschlecht – und zwar für das männliche und weibliche gemeinsam (masculum et feminam sexum). Geburtsgeschlecht heisst entsprechend sexus nativitas. Sexus umfasst damit alles rings um die Voraussetzungen der Vermehrung oder Fortpflanzung belebter Wesen (animal, Tier).
Sprache meint prinzipiell weder Frauen noch Männer
Die vielen Dingworte (Wesen, Gegenstände und Sinnhaftigkeiten) in der Sprache, welche auf die Artikel der, die oder das folgen (Wald ,Wiese, Feld) haben kein Geschlecht im Sinne des Sexus. Das ist das wichtigste Grundprinzip, welches es hier zu verstehen gilt. Dass aus Gründen der Bequemlichkeit sich bei Dingworten, welche Menschen bezeichnen, eine Reihe von Abkürzungen entwickelt hat, ändert daran nichts.
Dieses sprachliche Prinzip muss natürlich auf alle Dingworte angewandt werden, also auch auf Menschen. Dabei passt ein „Mann“ in der Vorstellung unserer bibeltreuen Vorfahren am besten zu etwas geschaffenem, wohingegen eine „Frau“ das schaffende fruchtbare Wesen ist, welches Nachkommen schaffen kann. Der Mann wird also geformt, während die Frau das (auch ihn) Formende, Schaffende ist.
Der Sprachirrtum hinter dem Gendern beruht auf dem Glauben, dass der Artikel „der“ etwas männliches bezeichnen würde und der nicht begründeten Schlussfolgerung, dass die Mehrzahl von mit „der“ gekennzeichneten Worten ebenfalls ausschliesslich „der“-Worte umfassen würde. Beides aber ist falsch, denn „der“ verweist nur auf etwas bestimmtes, z.B. einen Beruf. Ob der Beruf von einem Mann oder von einer Frau ausgeübt wird, ist dabei ohne Bedeutung. Ein Koch kann also sowohl ein Mann, als eine Frau sein – es ist einfach nur ein Beruf oder eine Tätigkeit. Die Tatsache, dass in der Vergangenheit die meisten Berufe von Männern ausgeübt wurden, ändert daran nichts.
Auch dass sich die Endung -in eingebürgert hat, um obiges Prinzip zu umgehen und anstatt zehn weibliche Köche verkürzt zehn Köchinnen zu sprechen, ist nur eine vereinfachende Ausnahme.
Mit diesem Verständnis der Sprache scheint das von vielen Sprachwissenschaftlern bemühte „die Frauen seinen mitgeteilt“, wenn es um Dingworte mit dem Artikel „der“ geht, unlogisch – es sind einfach weder Frauen noch Männer gemeint.
Bestimmtheit und Form statt Geschlecht in der Sprache
Eine Lösung des Dilemmas kann folgende sein: Der Begriff des Geschlechts wird nicht mehr im grammatikalischen Sinn gebraucht und durch einen anderen Begriff ersetzt. Sofern Worte kein Geschlecht mehr haben, ist die Geschlechtergerechtigkeit von innen heraus sichergestellt und muss nicht durch künstliche Eingriffe aufgesetzt werden.
Welche anderen Begriffe sind statt „männlich, weiblich, sächlich“ denkbar? In Frage kämen:
1. Die Bestimmtheit = bestimmt, bestimmend, unbestimmt
2. Die Form = geformt, formend, ungeformt
Die Bestimmtheit oder Form eines Dingwortes gibt an, ob es bestimmt/geformt, bestimmend/formend oder unbestimmt/ungeformt ist.
Es ergibt sich dann:
Für den Artikel „der:“ Bestimmte/geformte Dingworte benennen genau bestimmbare oder geformte einzelne Dingworte oder Dingworte, die eher dem Einzelnen als dem Vermehrenden zuzuordnen sind. Ihnen ist der Artikel „der“ zugeordnet.
„Der Mitarbeiter“ ist damit grammatikalisch bestimmt und steht für den einen einzelnen Menschen, welcher mitarbeitet, egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft oder Religion oder was auch immer er sei.
Weitere bestimmte/geformte Worte sind „der Baum“, „der (bestimmte) Mensch“ oder auch „der Vater“, welcher im Unterschied zum bestimmenden/forrmenden Dingwort „die Mutter“ keine Kinder bekommen kann.
Für den Artikel „die“: Bestimmende/formende Dingworte benennen Objekte, welche einen vervielfältigende Eigenschaft haben und also ihrerseits Objekte erzeugen können oder die Eigenschaft haben, zu wachsen. Ihnen ist der Artikel „die“ zugeordnet.
„Die Maschine“, welche Dinge herstellt ist grammatikalisch bestimmend, ebenso „Die Stadt“, welche wächst oder „Die Menschheit“, welche sich entwickelt.
Für den Artikel „das“: Definition 5. Unbestimmte Dingworte benennen abstrakte oder verhältnismäßig unveränderliche Objekte. Ihnen ist der Artikel „das“ zugeordnet.
Hier finden wir „Das Dasein“, „Das Universum“ aber ebenso „Das Schaf“ als unbestimmt Bezeichnung seiner Art im Unterschied zu „der Bock“ oder „die Zibbe“
Zu guter Letzt wäre noch die sprachliche Unwucht der weiblichen Angeredeten zu beseitigen, wenn man von „den Mitarbeitern“ spricht. Rein logisch lässt sich dies nur auf den vollständigen Verzicht auf die Endung -in erreichen, den ein Mitarbeiter ist weder männlich noch weiblich, sondern schlicht ein Wesen, welches mitarbeitet.
Die konsequente Trennung von männlichen und weiblichen Lebewesen in Verbindung mit einer neutralen Form, wie bei „die Magd“, „der Knecht“ und „das Gesinde“ wäre zwar eine umfassende Lösung – doch dazu ist es nie gekommen – wohl weil die meisten betreffenden Worte aus einem Tuwort abgeleitet sind. Damit bleibt nur der vollständige Verzicht auf die Endung -in. Falls also nur die Frauen unter den Elektrikern gemeint sind, muss es dann heissen „die weiblichen Elektriker“, im anderen Fall „die männlichen Elektriker“. Im Sinne der Sprachökonomie ist das schade, wer allerdings die Geschlechterneutralität der Sprache höher gewichtet, dem bleibt keine andere Wahl.
Unschön wäre dann das Verschwinden des Wortes „die Königin“. Vielleicht sollte bei solchen Personen, die überwiegend in der Einzahl angesprochen werden oder in Verbindung als Paar gemeint sind, die Endung -in ein Nischendasein genießen. Dies könnte auch gelten für „die Gebieterin“, „die Herrin“ oder „die Prinzessin“, allzumal diese Worte eher in Märchen und Geschichten ihren Platz als im täglichen Leben haben und damit die heutige Frage der Geschlechtsneutralität nicht gelten kann, da man Vergangenes nicht ändern kann. Allerdings hiesse es dann konsequent „Frau Bundeskanzler“, Frau „Minister“ usw. – und hier erfreulicherweise im Sinne der Sprachökonomie, denn welchen Sinn hat doppelnde weibliche Endung des Dingwortes, wenn die weibliche Bezeichnung „Frau“ bereits klar vor dem Wort steht?
Hier-eine-Übersicht-wie-anhand-einiger-beispiele-das-ergebnis-wäre.pdf
Als Zugabe noch eine spannende Übersicht über Zeitformen. Im Deutschen finden sich ihrer über 20. Die Tabelle ist sicher nicht perfekt und möglicherweise auch noch fehlerhaft. Hilfe ist willkommen…
Und zum Abschluss noch ein Experiment mit der Künstlichen Intelligenz: m/w/d.
