Jazno: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?
Fragen, die die Menschen schon immer bewegt haben, wie auch diese Zeilen aus einem alten indischen Gedicht beweisen. Drei einfache Fragen, deren Antwort eigentlich auf der Zunge liegt, aber die bei tieferem Nachdenken wohl keiner beantworten kann und noch keiner beantwortet hat.
Ja, was ist eigentlich der Mensch? Ein Kunstwerk der Natur? Ein Haufen Zellplasma, nach einer uns unerklärlichen Weise zusammengefügt? Ein die Welt beherrschender Gott oder ein beherrschtes Bündel? Eins ist er wohl auf alle Fälle: ein kleines Stück Materie im großen Weltgetriebe und tritt in Massen auf, ist ales ein gesellschaftliches Wesen. Will man also den Menschen verstehen, muß man ihn als Teil der Materie betrachten, deren Entwicklungsgesetzen er seine Herkunft verdankt und von denen seine Zukunft bestimmt wird. Wie lauten nun diese Entwicklungsgesetze und können sie überhaupt existieren? Materie ist ein Begriff zur Beschreibung von allem was durch uns, das heißt durch das Bewußtsein des Menschen, wahrgenommen werden kann. Das Gesetz der Entwicklung oder Bewegung der Materie könnte man vielleicht so formulieren: Jedes Element der Materie muß mit anderen in Wechselwirkung treten, so daß durch diese Wechselwirkung in der nächsten Stufe eine noch bessere Wechselwirkung erreicht wird – besser im Sinne einer Zunahme von Quantität, Erreichen einer neuen Qualität.
Dieses Gesetz kann nicht bewiesen, seine Richtigkeit nur in unzähligen Beobachtungen (Wechselwirkungen) der uns umgebenden Materiewelt bestätigt werden. Die Entwicklung des Menschen ist die Bewegung einer Gesellschaft, und diese vollzieht sich nach genau den Gesetzmäßigkeiten, denen auch alle anderen Materieformen unterworfen sind. Das Ablösen der Gesellschaftsformationen von der Urgesellschaft bis zum Kommunismus, vom naturabhängigen zu Beherrschern seiner Umwelt.
Wofür lebt der Mensch, die Menschheit? Ist es überhaupt sinnvoll, nach einem Ziel zu suchen, das außerhalb der menschlichen Sphäre liegt? Ziel des Menschen, der Menschheit, muß es sein, das allgemeine Bewegungsgesetz so gut wie möglich zu beachten, bewußt zu beachten, denn das unterscheidet ihn, den mit Bewußtsein begabten, von anderen Materieformen.
Erfüllt er dieses nicht, wird er zu unnützen Materieform, wirkt nun noch nach innen, nicht mehr nach außen und wird früher oder später aussterben, das heißt, in bessere Materieformen umgewandelt werden.
Andar: Es wesentlicher Ansatzpunkt, um zu bestimmen, in welche Richtung sich die menschliche Gesellschaft in weiter Ferne entwickelt, ist tatsächlich das allgemeine Bewegungsgesetz der Materie. Nur ist es etwas unglücklich, in diesem allgemeinen Gesetz das Wort „besserW“ zu verwenden, welches einen konkreten Bezug verlangt – besser für was, für wen?
Versuchen wir es doch einmal so: Die Materie ist in ständiger Bewegung oder Entwicklung. Diese führt von einfachen zu immer komplizierteren Strukturen, Verknüpfungen und Wechselwirkungen innerhalb der Materie.
Das erklärt sich daraus, das auf Grund der ständigen Bewegung, welche allen Erfahrungen zufolge nicht kreisförmig verläuft, laufend neue Formen, Kombinationen, entstehen. Diese besitzen im System, welches wir betrachten, stets eine gewisse Beständigkeit, Überlebenswahrscheinlichkeit, gegenüber anderen Kombinationen.
Zur ausgiebigsten Entwicklung gelangen, in genügend groß gewählten Raum-Zeit-Gebieten, die Formen mit der größten Beständigkeit. Solange die Gesamtmenge an einbezogener Materie sich nicht ändert, hat diese ausgiebige Entwicklung eine Beschränkung andere Formen zur Folge, die zu deren Verschwinden führen kann.
In der unbelebten Materie gilt direkt der Begriff Beständigkeit oder auch das Prinzip der kleinsten Energie – ein System nimmt im Laufe der Zeit den Zustand mit der geringsten freien Energie an.
Offensichtlich ist auch eine Bewegung vom Komplizierten zum Einfachen – Zerstörung – möglich, aber im großen Maßstab selten Sonst hätte sich die Erde nicht vom glühenden Feuerball zu einer Erde mit Gebirgen, Gewässer, Erdbeben und Menschen entwickelt.
In der belebten Materie gilt das Entwicklungsgesetz Darwins. Dabei sind Rückentwicklungen – Zerstörungen – nur möglich aufgrund von äußeren Einflüssen – Naturkatastrophen. Das heißt, die belebte Materie ist relativ beständiger als die unbelebte in sich.
Für die menschliche Gesellschaft gilt eine Höherentwicklung der Gesellschaftsformationen als bewiesen, wobei die Beständigkeit hier bedeutet, daß die Bedürfnisse der Menschen besser befriedigt werden. Mit wachsender Entwicklung der Menschheit wird eine Zerstörung der menschlichen Gesellschaft durch äußere Faktoren immer unwahrscheinlicher. Wir sagen, der Mensch wird zum Berherrscher der Natur. Damit ist der Mensch die bisher beständigste Materieform – er hat erstmals die Möglichkeit, sich einer Zerstörung – auch der Selbstzuerstörung – aktiv und bewußt entgegenzusetzen.
Ich möchte noch bemerken, daß ich den Begriff „Widerspruch“ bisher bewußt nicht gebracht habe, um die Sache nicht völlig unübersichtlich zu machen. Bringt man diesen Begriff noch dazu, so tritt ständig folgendes auf: Mit Erreichen einer höheren Beständigkeit, also dem Lösen von Widersprüchen, gehen stets qualitative Änderungen im System vor sich. Ändert sich die Qualität eines Systems, so ändern sich seine Bewegungsgesetze, es tritt die Möglichkeit zur Bildung neuer, noch beständigerer Formen auf. Neue Gesetze plus neue Formen ergeben neue Widersprüche – und somit endet die Entwicklung nie.
So, lieber Jazno, bevor wir in die Zukunft der Menschheit schauen – was meinst Du zu dieser Definition?
