geschrieben für Dara am Morgen des 24. Dezember 1985
,,,sie hat viele Gesichter, kann heftig sein und ungerecht, liebesbedürftig und fast sentimental, mädchenhaft unberührbar und von heftiger Leidenschaft geschüttelt. Schwer zu ertragen ist es manches Mal, du weißt oft nicht, in welcher Stimmung sie dich erwartet, bist dann verblüfft, wenn sie dich anfällt wie eine hungrige Löwin oder sich in deine Arme schmiegt wie ein schnurrendes Kätzchen. Alles ist sie, nur eines nicht: langweilig.
„Laßt einander also gelten, nehmt Euch gegenseitig an.“ Römer 15.7
Manchmal lieg ich bei Musik und träum‘
mir mein Leben weit über mich hinaus.
Träume mag ich, weil ich ganz anders sein will,
anders, nur anders – das tun was mir gefällt.
Sieh mich doch erst einmal richtig an.
Was will ich mehr, das Du nicht willst?
Hilf mir, sag mir, wo Du mich verstehst
und schweig auch nicht, wenn ich falsch geh.
Träume mag ich, weil ich ganz anders sein will,
anders, nur anders – das tun was Dir gefällt.
Dein Gesicht ist oft so weit entfernt,
leer, voll Sorgen, kein Lachen mehr.
Und dann träum‘ ich, daß ich Dir helfen könnt‘
zu finden Dein Bild in Dir wie in mir.
Träume mag ich, weil ich ganz anders sein will,
anders, nur anders – das tun was uns gefällt.
Vom Feuer
Du hast Fragen,
die in Dir brennen.
Es schmerzt.
Es eilt.
Du suchst Hilfe.
Und findest Gleichgültigkeit.
Und dann der Schmerz
mit dem das Feuer,
das keine neue
andere Nahrung fand
Dich verbrennt.
Mit Dir
verglüht auch Deine Ungeduld
Dein Wille.
Wo Feuer ist
siehst Du nur noch
den stinkenden Rauch.
Von uns
Freude kann Schönheit ersetzen.
Was kann Schönheit?
Von der Wut
Oft befällt dich eine Wut:
Mal richtig loslegen.
Es denen zeigen.
Was schaffen.
Und dann wird es schwer.
Bier her!
Schluß.
Keine Lust.
Und dann die Wut auf dich.
Weißt Du, was ich mir wünsche?
Wenn wir groß sind
erwachsen,
und selbst für uns sorgen können,
dann wollen wir weiter Kinder sein.
Von Dir
Am schönsten bist Du wenn Du singst.
Wenn Du kämpfst.
Wenn Du ein Kleid trägst.
Nackt in der Dämmerung liegst.
Wenn Du lachst,
über mich
Weinst.
Wenn Du liebst,
mich?
Am schönsten bist Du, wenn Du da bist,
wenn Du gehst,
wenn Du wiederkehrst
und noch schöner geworden bist.
Vor der Freude
Wie oft, wenn wir unterwegs sind
irgendwohin, sind
die Städte ohne Sonne,
die Straßen ohne Bäume,
die Bäume ohne Blüten,
die Mädchen ohne Lachen.
Und wir, in Gedanken,
mit uns selbst beschäftigt,
wir suchen nicht nach alledem?
Nein, wir suchen nicht.
Denn wir finden es ja:
Im Urlaub, in der Freizeit,
weit weg vom Leben,
von unserer Arbeit.
Es wird viel von uns verlangt,
auch zuviel
Viel mehr als je zuvor.
Warum verlangen wir dann
immer weniger von – all dem?
Gibt es schon Ersatz?
Wo ist der Unterschied zwischen
leben müssen und
leben wollen?
Wenn nicht in Dir?
Dein Ich
Ich bin wie eine scharf gewürzte Suppe,
Ich will Euch schmecken,
doch vertragt Ihr Schärfe nicht,
so löffelt vorsichtig.
Und versucht nicht, mich zu verdünnen.
Allzu schnell werde ich fad.
Das Land Glücksland
Ich glaube, daß es dieses Land gibt. Am stärksten spüre ich das, wenn ich sehr weit weg bin davon. Und das treibt mich voran.
Wenn ich in Zeitungen oder Büchern lese, Musik höre oder mich unterhalte, nimmt mich das so in Anspruch, daß mir die Tränen kommen. Auch wenn ich nicht weiter weiß – zuviel Gefühl? Ich versuche, es schnell zu verstecken. Die Folgen sind grauenhaft.
Ich soll freundlich sein. Aber Freundlichkeit kann ich nicht erzwingen. Freundlich. Freude. Feuer. Warum blasen wir das Feuer in uns so schnell aus? Angst vor Streit? Eine ungeklärte Angst, die eigenen Ideen und Träume auf einem Scheiterhaufen wiederzufinden? Das lähmt unsere Freude.
Ich habe in der letzten Zeit versucht, mich zu ändern. Wirklich ohne Ergebnis? Woher soll ich die Kraft nehmen, weiter zu machen? Wenn ich um meine Ideen kämpfe, verbinden sie sich meist mit sehr genauen Vorstellungen über ihre Umsetzung. Soll ich deswegen nicht kämpfen? Ich werde dann ratlos, nervös und zuletzt ungerecht, eine Unbeherrschheit, die oft jegliches Maß übersteigt.
Helft mir. Wir müssen doch Tag für Tag füreinander leben. Nur davon zu träumen, daß man sich jeden Tag neu findet und verausgaben kann, ist viel zu wenig und langweilig. Wollen wir uns finden? Dazu ist eine Offenheit nötig, die nie als “gegen” sondern nur als “für” verstanden werden darf. Für uns alle. Oder einfach Vertrauen. Wo ist es geblieben? Es ist meine einzige Bedingung für die Freundlichkeit, es ist die Möglichkeit, daß wir nicht an unserem Feuer verbrennen, sondern uns an ihm wärmen können.
Heilig Abend
Im Wohnheim
mitten in dieser Millionenstadt
und weit der kleinen Kirche
deren Glockenspiel dich oft weckt
mitten in Arbeit und Leben
wollen wir glauben
aneinander
