Die Ebene der Großen Ideale

Der Vorleser: Seit langem war es üblich,daß alljährlich einige junge Leser weit in die Ebene der Großen Ideale gesandt wurden, um sie die Hohe Kunst des Lesens erlernen zu lassen. Kaum einer der Ausgesandten hatte eine Vorstellung von dem, was ihn in den Tiefen der Ideale erwarten würde, aber sie waren guten Muts, hatten ihre vier Buchstaben beisammen und nahmen all ihre Wünsche und Träume mit auf die Reise.

Es erfolgt der Einzug der Leser,die Musikgruppe intoniert „Oh-lio-lio-la ,wir sind miteiander da“ ,einige Leser singen mit,die übrigen begrüßen recht lebhaft die Zuschauenden. Nachddm die Leser,vorn angekommen,den Saal durchquert haben, geht die Musik instrumental weiter.

Matze: Endlich sind Dir da! Ich bin richtig gespannt auf dieses Land!
Trixi: Wie die Leute hier gucken…
Heiko: Ist das immer so langweilig hier?
Grit: Selber langweilig, schau dich doch erst mal um!
Gerd: Oh,welch Duft von Papier!
Kerstin: Ja, aber solche Masse Bücher – das schaffen wir nie!
Trixi: Gib doch nicht gleich auf, wir lesen zusammen.
Matze: Ich hab richtigen Lesehunger.
Heiko: Ein Gulasch,zwei Bier…
Paul: Wo?
Kerstin: Vorgestern.
Grit: Irgendwie werden wir uns schon gewöhnen.

Es nähert sich der Korrektor, hört zu. Die Leser bestaunen Unmengen von Heften und Büchern.

Heiko: Unglaublich, wie billig die Bücher hier sind.
Gerd: Ich möchte mal an einem ganz dicken Buch mitschreiben.
Kerstin: Aber mit DEN Schreibfedern?
Matze: Na und? Wir machen uns bessere.
Paul: Also mich interessiert hier zuerst einmal die Sprache.
Trixi: Und dazu müssen wie die Leute und die vielen Städte hier kennenlernen, nicht nur aus Büchern.
Paul: Ja, das ist gut.
Grit: Und ich möchte wissen, was es für Lieder gibt in diesem Land.
Heiko: Na und auch mitsingen!
Kerstin: Aber zuerst das Lesen, das ist unsere Aufgabe… :
Heiko: (ablehnend) Kein Buchstabe auf dieser Seite.
Gerd: Vielleicht sollte jeder das tun,was er am besten kann.Wir müssen nur zusammenhalten…

Die Musik bricht ab.

Der Korrektor: Also – (alles sieht zu ihm) – also ich bin euer Korrektor. Wir von der Leserleitung haben uns ausgedacht, wir helfen euch beim Einlesen. Eine Menge guter Ideen habt ihr ja. Aber so geht das nicht. Jedes Buch beginnt mit der ersten Seite. Das heißt: schreibt erst einmal ein Programm, die älteren Leser werden euch sicher dabei diktieren. Ja und dann brauchen wir noch einige von euch für die Leserleitung – da wären… ein Drucker, zwei Schreiber, ein Zensor, drei Vorleser, ein Radakteur und ein Sekretär natürlich. Wer könnte den Sekretär übernehmen?

Die Leser sehen sich verwundert an, Matze tritt einen Schritt auf den Korrektor zu.

Matze: Was hat’n der so zu tun?

Damit hat er die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, die übrigen atmen erleichtert auf und schieben ihn vor.

Der Korrektor: Also du… gut. Die Einzelheite erkläre ich dir später.

Schon im Abgehen fällt dem Korrektor ein dickes Buch ein, das er unter dem Arm trägt, er reicht es Matze.

Der Korrektor: Ach das hätte ich fast vergessen – dein Terminkalender.

Der Korrektor geht ab. Die Musik Heiko spielt wieder leise los.

Heike: Was war’n das für ’ne Type?
Grit: ’n Bääh.
Paul: Ach du dickes Buch.

Matze hat unterdessen im Terminkalendor geblättert und den Punkt gefunden.

Matze: (recht unontschlossen)…Wir machen jetzt Wahl.

Er singt allein oh-lio-lio-La. Den anderen ist die Lust vergangen, alles zerfließt zu einer langweilig hektischen Arbeitsatmosphäre, ein Baßrythmus leitet die entsprechende Musik ein, dazu Geige, Trommel usw. Drei Stimmen reden von allen Seiten auf Matze ein.

1.Stimme: Morgen ist Buchstabenkonferenz!

Matze hängt sich ein „A mit Ohren“ um.

2.Sti:nme: …noch drei Konspekte in Papiergeschichte!
3.Stimme: Und nächste Woche Kurs-Korrektur!

Matze greift dicke Büchor, läuft im Kreis.

2.Stimme: Dringende Anfrage: Wo ist der Kurzbericht?

Matze läuft zu Paul, reißt ihn hoch, der schüttelt den Kopf, fällt zurück, schläft.

1.Stimme: Denk an den Leserclubvortrag!

Matze verteilt Zettel, die weggesteckt, weggeworfen, zerkaut u.ä. werden.

3.Stimme: Hast du schon die Druckverteilung berechnet?

Matze rauft sich die Haare.

1. Stimme: Ist euer Programm fertig? Morgen ist die 26. Vollverlesung!

Ein Paukenschlag – und Ruhe. Alle sitzen mit irgendwelchen Papieren da, einer liest Zeitung, einer frißt, einer säuft.

Matze: (in die entstandene Stille, spricht den Text des folgenden Liedes bis „man hat uns aufgegeben,…“. Bei „ein Papier hat man uns aufgegeben zu lesen“ springen zwei Leser auf, die diesen Satz sprechen, anschließend setzt die Musikgruppe ein und alle singen im Chor:

Programm nennt es sich.