Nachts, drei Uhr Moskauer Zeit,
geh ich hinaus auf den breiten Balkon
meiner zwölften Etage
mit einer harten Scheibe Wurst aus deutschem Land
und einem hier selt’nem Getränk, aus Wein gebrannt
und atme kräftig in smokefreier Luft.
Zurück bleibt
aufgeschlagen
berichtetend von trotz allem noch aufzubauenden Kommunismus
ein neues Buch.
Voll Hoffnung schaue ich in die Nacht.
In dunkler Ferne aber
blinken die Spitzen von Stalins Bauten
und den Kreml verhüllt schimmernder Dunst
Unter hochhaushohem Beton stöhnt mein Lefortowo
mühsam schützend sein Grün und seine Geschichte.
Was davon noch lebt
ruht schwarz vorm Haus: der Deutsche Friedhof.
Und die Moskowskaja schreibt, der Bau der Autobahn durch Lefortowo sei gestoppt.
