Nechlin-Moskau

Ringsum Uniform. Mitten in der Nacht wirst Du aus dem Zug geholt. Das ist Bresk. Irgendwas stimmt nicht. Dara schläft längst als der Befehl sie weckt: Aussteigen. Ob sie Geld wollen?
An alles hatte sie gedacht, Früchte, Brot, Wasser, Wurst, Bier. Wie gut, denn der Zug führt weder Speisewagen noch Speise und ob vielleicht später oder in Bresk, wissen weder Computer noch die Stimmen an den Telefonen der Auskünfte.
Wie aber an ein Papier denken, daß Du nicht kennst?
Auf dem Fahrschein steht Nechlin-Moskau und etwas versteckt auch: zurück. Umsteigen in Berlin und die erste Stunde Verspätung: gut, die Getränke zu ergänzen.
Morgens gegen vier geht das Wasser dennoch zur Neige, im riesigen stickigen Zollraum des Bahnhofes Bresk. Tanja füllt die letzte leere Flasche auf dem stinkenden Dienstabort der Bewacher: einziger Freigang, frische Luft nur in Uniform. Auch Du kommst dem Ausgang kaum näher bevor die laufschrittende Uniform naht: Zurück.
Die Steine des Bahnhofs speichern die Sonne, die schon auf der Fahrt bis Bresk für über 40 Grad im Zug gesorgt. Die Versuchung, wenigstens eine der vollkommen dichten Fensterscheiben einzuschlagen, wächst mit jeder erfolglosen Ankündigung, die Klimaanlage sei in zwanzig Minuten oder auf dem nächstgrößeren Bahnhof repariert. Wasser und Bier nehmen ab.
Einen Tag später sind die Vorräte ergänzt und Galia singt uns ihre Lieder im Zug Prag-Moskau: Lieder von Unglück und Glanz. Ihren Schokoladenwagen nennt Galia das Stück Eisenbahn, daß uns in Terespol wieder aufnahm.

Großvaters Grab